Shushōgi: Prinzipien der Übung und Erleuchtung: Eine Zenschrift für LaienK. Ishimoto and P. E. Naberfeld
MN 6:1/2 (1943) pp. 355–69
Alles Geschehen ist von Zeitverhältnissen bedingt, und manches scheinbar belanglose Werk gewinnt, im Rahmen der Geschichte gesehen, Bedeutung. Wenigstens verhält es sich so mit der vorliegenden Zenschrift Shushōgi. Den historischen Rahmen zu dieser Schrift bildet die Lage des Buddhismus zur Meiji Zeitwende 1868. Wenn schon bis zum Jahre 1797 jede mechanische Vervielfältigung der Schriften von Dōgen Zenshi 道元禅師 (Jōyō Daishi 承陽大師 (1200-1253)) als Entheiligung derselben galt, und bis in die Meijizeit die fünf wichtigsten Bücher seines Shōbō Genzō 正法眼蔵 zu drucken verboten war, so wäre dic Drucklegung einer Laienschrift, die an Stelle des Shōbō Genzō und anderer Sutren treten und der breiten Masse der Gläubigen zum privaten wie öffentlichen Gottesdienst dienen sollte, vor dieser Periode erst recht unmöglich gewesen. Es widersprach dies schon ganz der esoterischen Einstellung des Sōtō-buddhismus. Im Shōbō Genzō ist diese Einstellung ganz klar ausgesprochen. Im Kapitel „Shukke“ 出家 heisst es: Ausschlaggebend für die Erlangung der Buddhaschaft ist einzig das Mönchtum; wer sich nicht zum Mönchtum bekennt, steht nicht im Gesetze Buddhas; im Kapitel „Shukke kudoku 出家功徳“ Man spricht zwar von einer Buddhaschaft durch das Laientum, das entspricht jedoch nicht der überlieferten Auffassung von Buddha und den Patriarchen; „dierechte Überlieferung kenn nur eine Buddhaschaft durch das Mönchtum“; an einer anderen Slelle des gleichen Kapitels lesen wir: „Selbst ein Mönch, der sich gegen die Gebote versündigt, steht weit über einen Laien, der sie hält“. Mönchtum und Laientum sind für Dōgen getrennte Seinsstufen. Die unerlässliche Stufenfolge zum Endstadium alles Lebens ist Mensch (Laie), Mönch, Buddha. Für den Laien gibt es keinen anderen Weg zur Buddhaschaft als die Wiedergeburt zum Mönchtum. Und die Teilnahme an dem buddhistischen Gottesdienst und an den Übungen der Mönche hat für den Laien nur den Sinn, sich die Wiedergeburt zum Mönchtum zu sichern. Wenn nun trotzdem der Gedanke an die Herausgabe eines SShushōgi und an die damit verbundene Laienpropaganda aufkam, so lag das einzig in dem Existenzkampf, der dem Buddhismus durch die nationale Bewegung und durch die dadurch geschaffenen sozialen Verhältnisse aufgezwungen worden war […]

