Kaiser Meiji als DichterHermann Heuvers
MN 2:2 (1939) pp. 333–48
Kaiser Meiji wurde in der alten Reichshauptstadt Kyoto am 3. November 1852 geboren, gerade ein Jahr bevor der Amerikaner Perry mit sechs Kriegsschiffen in den japanischen Gewässern erschien. 1866 folgte er seinem Vater auf den Thron, 1867 fiel das Shogunat, der junge Kaiser trat in seine alten Herrscherrechte ein und feierte im Jahre darauf Kaiserkrönung und Thronbesteigung. Damit begann für Japan die bisher glänzendste Zeit seiner Geschichte, die Herrscherzeit Meiji, 1867-1912, bis zum Tode des Kaisers. Meiji bedeutet glänzende, leuchtende und erleuchtete Regierung. Die äusseren Ereignisse der Meijizeit sind auch im Ausland bekannt. Weniger weiss man von Kaiser Meiji als Dichter. Und doch hat er in der japanischen Dichtung einen hervorragenden Platz. Er schrieb ungefähr hunderttausend Kurzgedichte, was allein schon zeigt, dass Dichten ihm Angelegenheit des Herzens war. Er machte aber so wenig Aufhebens davon, dass er seine Gedichte auf irgend ein Stück Papier, das ihm gerade vor die Hände kam, niederschrieb. Später hat man sie gesammelt und aus der grossen Zahl 1687 zu einer Volksausgabe zusammengefasst, die das Unterrichtsministerium herausgab.