Aoi no Ue: Nō-Drama in zwei Akten von Komparu [Konparu] UjinobuHerbert Zachert
MN 2:2 (1939) pp. 536–550
Das Nō-Drama Aoi no Ue gehört seinem Inhalt nach in die sogenannte 4. Gruppe der Nō-Dramen, die Geisterstücke, die stark mit buddhistischem Geist durchsetzt sind. Es entspricht in Aufbau und Handlung durchaus dem typischen Verlauf derartiger Stücke, in denen meistens die arme, wahnver- folgte Seele, die als böser Dämon nirgends Ruhe findet, durch die Macht der buddhistischen Heilsmittel Erlösung findet. Der Stoff des vorliegenden Dramas ist dem Genji-monogatari entnommen und gehört zu den wertvollsten Nō-Dramen überhaupt. Hikaru Genji, Sohn des Kaisers Shujaku, hat die Tochter des allgewaltigen Ministers zur Linken namens Aoi-no-Ue geheiratet. Es scheinen eher Erwägungen politischer Art als grosse Zuneigung gewesen zu sein, die Genji zu der Heirat mit der um einige Jahre älteren Aoi-no-Ue bestimmt haben. Vielleicht versprach er sich, durch Fürsprache seines einflussreichen Schwiegervaters zu Amt und Würden zu gelangen. Der Sitte jener Zeit entsprechend war es bei Eheleuten üblich, dass der Mann nachts seine Frau besuchte. Von der Freiheit, die sich daraus für den Ehemann ergibt, macht Genji reichlich Gebrauch und jagt den verschiedensten Liebesabenteuern nach.